Mörike-Gymnasium Esslingen - Artikel nach Datum gefiltert: Oktober 2018

1968 im Zeitzeugengespräch am Mörike

„Wia d'Revoludsjo enns Remsdal komma isch“ – Ebbe Kögel zu Gast im Seminarkurs

[18.10.2018] „50 Jahre 1968“ – anlässlich des historischen Jubiläums befasst sich der Seminarkurs der KS1 in diesem Schuljahr mit der 68er-Bewegung und ihren Folgen. Ihre Zentren hatte die Revolte sicherlich in den Groß- und Universitätsstädten, doch erreichten Ideen und Kultur der 68er auch die Provinz?

Als Zeitzeuge und lokaler Akteur der ‚wilden Jahre ‘ zwischen 1967 und 1977 war Ebbe Kögel, Heimatforscher und Soziologe aus Stetten im Remstal, im Oktober zu Gast im Seminarkurs. Kögel, Jahrgang 1953, schilderte - ganz selbstverständlich in seiner Muttersprache Schwäbisch - anhand von illustrierenden Bildern und Musikbeispielen sehr anschaulich, wie der kritische Geist von 1968 auch die Jugendlichen in dem idyllischen Weinort Stetten erfasste: „Wie ein Donnergrollen haben wir damals gespürt, dass sich etwas grundlegend verändert.“

Welche wichtige bewusstseinsbildende Funktion dabei der Musik zukam, wurde gleich zu Beginn des Vortrags deutlich: Bob Dylans Weckruf „The Times They Are A-Changin‘“ (1964) radikalisierte sich in wenigen Jahren zur Einschätzung der Rolling Stones: „The time ist right for fighting in the streets, boy“ (1968). So elektrisierend diese Botschaften und Klänge auf Ebbe Kögel und seine Freunde wirkten, so unerhört klangen sie in den Ohren der Elterngeneration: „Mach dia Urwald- ond Affemusik aus!“, schallte ihnen von Elternseite entgegen – der Generationenkonflikt tobte auch im Remstal.

Und so fühlten sich die aufbegehrenden Jugendlichen in „Opas Vereinen“ (Kögel), die das dörfliche Freizeitangebot dominierten, bald nicht mehr wohl. Denn auch dort fanden sie autoritäre Strukturen vor, die Mitsprache, gar Widerspruch Jugendlicher nicht zuließen. (Jugendausschüsse, wie sie heute in Vereinen selbstverständlich sind, waren noch undenkbar.)

Ebbe Kögel engagiert sich daher in der aufkommenden Jugendzentrumsbewegung, die sich zum Ziel setzt, Freiräume für Jugendliche zu schaffen. Unbehelligt von den engen Moralvorstellungen der Erwachsenen und den Konsumzwängen in Kneipen und Diskotheken sollen sie dort selbstbestimmt ihre Freizeit verbringen können. Mit Erfolg, denn im April 1968 gründen Kögel und seine MitstreiterInnen eines der ersten selbstverwalteten Jugendzentren der Bundesrepublik in Stetten. Hier üben sie sich in Basisdemokratie und diskutieren oft stundenlang, um dem selbst auferlegten Konsensprinzip  gerecht zu werden. Ermöglicht hatte ihnen dies ein progressiver Vikar, der gegen den Widerstand des Pfarrers durchsetzte, dass die Jugendlichen einen Raum der Kirchengemeinde nutzen durften.

Doch der „Clash of Cultures“ (Kögel) war letztlich zu groß für die pietistisch geprägte Gemeinde: Während der Posaunenchor oben „Nun danket alle Gott“ anstimmte, tobte unten im Jugendraum „Whole Lotta Love“ (Led Zeppelin, 1969) – das konnte nicht lange gutgehen.  Nach zwei Jahren kündigt der Kirchengemeinderat den Jugendlichen, die fortan lautstark auf dem Kirchplatz zusammenkommen und dort zum Ärger der Dorfbewohner „auch vereinzelt ans Kriegerdenkmal pinkeln“, wie Kögel einräumt.

Ein neuer Jugendraum, ein eigenes Haus musste her. Zunächst versuchen es die Jugendlichen mit Eingaben bei der Gemeinde und einem Flugblatt, in dem sie ein eigenes Jugendzentrum fordern. „Aber dass wir überhaupt etwas forderten, empfanden viele Erwachsene schon als Unverschämtheit“, erinnert sich Kögel.

Folge der ablehnenden Haltung des Gemeinderats: Im April 1977 besetzen Stettener Jugendliche ein in Gemeindeeigentum befindliches Haus in der Ortsmitte. „Der Rauch-Haus-Song (Ton Steine Scherben, 1972) war dabei unsere Hymne“, macht Kögel erneut die Bedeutung des ‚Soundtracks der Bewegung‘ deutlich.

In der folgenden Diskussion interessiert die SchülerInnen vor allem, wie Kögel seine ‚wilde Zeit‘ im Rückblick bewertet. Während er die Hausbesetzung als „zwar illegal, aber für uns damals legitim“ ansieht, gesteht er ein, insbesondere in den familiären Auseinandersetzungen zum Teil auch ungerecht gewesen zu sein. Aber einerseits habe er sich mit den Eltern später wieder ausgesöhnt und andererseits ist er auch heute noch überzeugt: „Veränderung geht nicht ohne Konfrontation.“

Die KursteilnehmerInnen waren beeindruckt von der humorvollen Art und der selbstkritischen Offenheit, mit der Ebbe Kögel heute über sein damaliges Denken und Tun spricht. Insofern war der Besuch des „Achtundsechzigers“ aus dem nahen Remstal ein echter Gewinn für den Kurs, der das Thema ‚Jugendbewegungen um 68‘ in einer Kleingruppe vertiefen wird.

[H. Hartlieb]

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Schulbücher für Nepal

Ein neuer Bildungsplan – eine ganze Serie neuer Schulbücher. Doch was passiert eigentlich mit den Büchern, die nicht mehr gebraucht werden?

Gemeinsam mit Frau Zenglein knüpften wir den Kontakt zu Frau Vöhringer aus Ebersbach an der Fils.  Frau Vöhringer leitet den Verein „Nepal Schulprojekt“, der Kindern in den entlegensten Ecken Nepals die Chance auf Bildung ermöglicht.  Einmal im Jahr schickt Frau Vöhringer mit Hilfe einer Spedition Material nach Nepal, das mühevoll auf Eseln und Trägern in einem 10-tägigen Marsch nach Humlu transportiert wird. Dieses Jahr werden auch unsere ausgemusterten Englisch- und Bili-Bücher dabei sein.

Wir freuen uns sehr darüber, dass die Bücher noch einmal eine Verwendung haben und hoffen, dass die Kinder in Humlu viel Spaß damit haben werden.

[Zenglein]

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