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GK-LK bei Vorträgen zur Eliten- und Armutsforschung

Prof. Dr. Michael Hartmann Prof. Dr. Michael Hartmann

 

Soziale Ungerechtigkeit wird in der Politik häufig für Wahlen und Kampagnen instrumentalisiert. Aber auch in der Gesellschaft ist die Schere zwischen Arm und Reich ein aktuelles und viel diskutiertes Thema, z. B. aufgrund der Agenda 2010. Ebenfalls relevant ist dieses Thema für unseren Gemeinschaftskunde-Leistungskurs am Mörike. Link zum Flyer der Veranstaltung

Deshalb besuchten wir am 12.02.2020 im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart einen Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultheis, einem Armutsforscher an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, und Prof. Dr. Michael Hartmann, einem emeritierten Professor für Soziologie an der TU Darmstadt, der sich mit der Elite der Gesellschaft auseinandersetzt.

Professor Schultheis begann mit seinem Vortrag, indem er allgemeine Aspekte und verschiedene Facetten der Armut erläuterte. Er machte deutlich, dass für ihn Armut mehr als ein ökonomisches Problem sei. Kulturelle, gesundheitliche oder soziale Aspekte spielten ebenfalls eine große Rolle, wodurch laut Schultheis Armut multiform werde. Außerdem sprach er über die hohe Kinderarmut in Deutschland, die Wahlabstinenz der Unterschicht und die Legitimation der ökonomischen, kulturellen und politischen Eliten in Deutschland.

Für diese Probleme präsentierte er auch Lösungsansätze, die jedoch alle dieselbe Voraussetzung hatten: Man müsse die Armen und ihre Probleme verstehen. So sei das Projekt „Arme interviewen Arme“ entstanden, bei welchem Menschen aus derselben, bildungsfernen Schicht sich nach ein wenig Training gegenseitig interviewten. Dies habe den Vorteil, dass die Betroffenen sich schneller geöffnet hätten und sich verstandener fühlten und keine schichtbedingten Barrieren zu überwinden seien.

Lösungsvorschläge waren zum Beispiel kostenlose Kitas, die durch Umverteilung von Steuergeldern finanziert werden sollten. Schultheis schlug unter anderem eine höhere Erbschaftssteuer vor. Diese legitimiert er mit dem Leistungsprinzip, denn für ein Erbe sei keine Leistung erbracht worden und es sei somit unfair.

Ähnliches sagt Professor Hartmann zur Erbschaftssteuer in seinem Vortrag zur Elitenforschung. Diese sieht er als zu niedrig, vor allem in Kombination mit der zusätzlich abgeschafften Vermögenssteuer. Damit macht er die Politik zur Hauptverantwortlichen für Armut und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich.

Problematisch sieht Hartmann auch die von Schultheis erwähnten Eliten, welche einen sehr großen Einfluss auf die Politik und damit auch auf die Gesellschaft hätten. Problematisch sei außerdem, dass Eliten mit ihrer signifikant höheren Wahlbeteiligung und durch ihre Macht zusätzlich stärker repräsentiert würden. Begünstigt werde das Ganze noch durch den elitären Journalismus, welcher nur Teile der Realität widerspiegele.

Zusätzlich zu den zwei interessanten Vorträgen gab es noch eine kleine Interview-Runde, welche von einer Journalistin aber leider wenig kontrovers und bereichernd moderiert wurde.

Jule Hartmann (Georgii-Gymnasium) und Amelie Schürholz (Mörike-Gymnasium)

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