Datenschutz geht zur Schule

Frage an die Klasse 7d: „Wer ist alles in sozialen Netzwerken?“ Alle melden sich. Es werden Instagram, WhatsApp, Snapchat und Twitter genannt. Niemand ist mehr bei Facebook. Zweite Frage: „Wer ist schon 16 Jahre alt und durfte sich da anmelden?“ Keiner meldet sich…

Dr. Ronald Petrlic, Informatiker im Büro des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg, ist zu Besuch im Mörike-Gymnasium. Als  Referent für technischen Datenschutz undDatensicherheit unterstützt er den Landesbeauftragten bei dessen Aufgabe, die Institutionen des Landes in Fragen des Datenschutzes zu beraten. Und was läge angesichts der intensiven Internetnutzung Jugendlicher näher, als auch die Schulen in diese Aufklärungsarbeit einzubeziehen?

Im Rahmen der bundesweiten Initiative „Datenschutz geht zur Schule“, die vom Landesdatenschutzbeauftragten unterstützt wird, steht Petrlicdeshalb am Montagmorgen vor den Siebtklässlern, um sie für einenbewussten und sicheren Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren.

Warum kosten die Sozialen Netzwerke eigentlich meistens nichts? Man bezahle mit seinen Daten, klärt Petrlic auf, und diese seien Milliarden wert. „2004, als er Facebook gründete, war Mark Zuckerberg noch Student, 2009 war erbereitsMilliardär“, macht er deutlich. So wurde der von Zuckerberg 2014 gekaufte, bei Schülern nach wie vor beliebte Instant-Messaging-Dienst WhatsApp in einer Datenschutz-Bewertung der Stiftung Warentest wenig überraschend als „sehr kritisch“ eingestuft.

Doch gibt es Alternativen? Ja, es gibt sie, sagt der Experte, und empfiehlt Threema,Telegram oder Signal als datensicherere Programme.

Und er warnt vor Apps, die auf Daten der Smartphones zugreifen können und diese an den Betreiber der App weiterleiten. Als Beispiel dient ein Filmbeitrag, in dem zwei Informatikstudenten eine App so einrichteten, dass eine junge Frau diese als Foto-App installierte. Nach zwei Stunden waren alle Kontaktdaten, SMS, Suchanfragen bei Google etc. heruntergeladen und der Spaziergang der Frau im Stadtplan abgebildet.

Wer nicht in solche Fallen tappen wolle, müsse schon bei der Installation einer App aufpassen, mahnt Petrlic zur Vorsicht. Die Schüler sollten darauf achten, keine Freigaben einzurichten, die dazu führen, dass mehr Datenzugriff möglich ist als für das Programm unbedingt notwendig.

Ein weiteres Thema: Computerspiele, die heutemeist online gespielt werden. Am Beispiel von „Fifa 16“zeigt Petrlic auf, wie viele Unternehmen über die Daten der Spielnutzung online informiert sind: eine dreistellige Zahl, die Liste ist eindrucksvoll. Die Unternehmen erfahren, wer wann wie lange mit welchem Erfolg diese Spiele nutzt. Mit allen Möglichkeiten, die Daten anderweitig zu nutzen. Der Rat des Experten: Für jedes Spiel einen anderen Nicknamen verwenden, dann könnten die Daten viel schwerer verknüpft und ausgewertet werden.

Eine Botschaft ist dem Datenschützer besonders wichtig: „Nutzt niemals ein und dasselbe Passwort für alle Anwendungen, sondern viele verschiedene. “Um dies besser handhabbar zu machen, rät er zur Nutzung eines Passwortmanagers. Dass sein Vortrag bereits ein gesundes Misstrauen bei den Schülern geweckt hat, zeigt die kritische Nachfrage: „Und was ist, wenn einer den Passwortmanager hackt?“ Petrlic beruhigt: „Die am häufigsten genutzten Passwortmanager sind so sicher, dass bisher noch kein gelungener Hack bekannt wurde.“

Welche gesellschaftspolitische Brisanz in der Datenkrake Internet liegt, wird deutlich, als Petrlic fragt: „Was passiert, wenn man alle Daten kennt und vernetzt? Zum Beispiel Pizzaservice, Fitnesstrackerund Krankenkasse?“

Besonders abschreckende Beispiele liefert China, wo Schulklassen gefilmt werden und per Gesichtserkennung ermittelt wird, welche Schüler wie lange aufmerksam sind. Auch Jacken mit Chips zur Ortung von Kindern und Jugendlichen sind dort im Einsatz: Wer ist wann wo, zum Beispiel pünktlich in der Schule? Horrorszenarien, die gar nicht so weit weg sind, denn Petrlic geht auch auf aktuelle Gefahren etwa durch „Alexa“ oder WebCams ein.

Zum Abschied verspricht der Referent den Schülern noch Aufkleber, um die Webcam am Rechner zu verdecken. Eigentlich wollte er sie den Schülern gleich mitbringen, aber die Post war zu langsam. Auch die analoge Welt hat mitunter ihre Tücken.

Weitere Informationen zum bundesweiten Projekt „Datenschutz geht zur Schule“ des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands e. V. gibt es im Internet unter https://www.bvdnet.de/datenschutz-geht-zur-schule/.

har / hg

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