• Gelesen 396 mal

Menschenrechtspreisträgerin am Mörike

[5.7.2017] Sklaverei? Ist doch längst abgeschafft! – Dass dem nicht so ist, zeigt die Verleihung des Theodor-Haecker-Preises 2017 der Stadt Esslingen an Urmila Chaudhary aus Nepal. Die Menschrechtsaktivistin kämpft für die Befreiung, für die Rechte und für die Bildung von versklavten Mädchen in Nepal. Als Aktivistin der Organisation „Freed Kamalari Development Forum“ (FKDF) ist Urmila Chaudhary zu einer Hoffnungsträgerin der Kamalari genannten Kindersklavinnen geworden. Gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen befreit sie unter persönlichem Risiko Kamalari, gibt ihnen die Chance auf eine Schul- und Ausbildung und eröffnet ihnen damit die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Drei Tage nach der feierlichen Preisverleihung im Neckar-Forum, nahm sich Urmila Chaudhary Zeit für ein Gespräch mit den 10. Klassen des Mörike-Gymnasiums. Vorbereitet durch den englischsprachigen Dokumentarfilm „Urmila für die Freiheit“ über ihr Leben und ihre Arbeit, den die Klassen zuvor im Englischunterricht gesehen hatten, stellten die SchülerInnen der Preisträgerin viele Fragen zu ihrer politischen Arbeit, vor allem aber zu ihrem Leben als Kindersklavin. Denn Urmila kennt das Leid der Kamalari aus eigener Erfahrung: Vor ihrer Befreiung wurde sie zwölf Jahre lang als Haushaltssklavin in reichen Haushalten ausgebeutet, zuletzt im Haushalt einer einflussreichen Politikerin. Es entspann sich ein überraschend persönliches Gespräch mit der Preisträgerin, bei dem die SchülerInnen ein Gespür für die besondere Relevanz gesellschaftlichen Engagements in einem Land wie Nepal gewannen. Zwar ist die Sklaverei dort gesetzlich tatsächlich abgeschafft, aus der gesellschaftlichen Praxis aber längst nicht verschwunden. Diese Praxis zu ändern, hat sich Urmila Chaudhary zur Lebensaufgabe gemacht – ein Engagement, das für beispielhaften politischen Mut steht und die SchülerInnen sichtlich beeindruckt hat.

[har]